Luis Krummenacher


Leben

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Die Arbeit Leben versteht sich als eine Live-Performanceinstallation, die den Prozess des lebendig-Seins ostentativ ausstellt. Der Künstler respektive Lebensakteur spielt mit der Verschriftlichung von Zeit im Vorübergehen von Zeit – er schreibt das Verb „leben“ hintereinander auf Papier, solang er dazu ohne Pause fähig ist. Zeit und Leben werden so nicht nur explizit erfahrbar, beides wird aktiv verbraucht. Im Beisein von Zuschauern oder Besuchern wird nicht nur der Verschleiß deutlich, Zeit gibt sich dann auch als labile Variante zu erkennen, die allen nur in begrenzter Menge zur Verfügung steht. Gleichzeitig scheint beim Betrachten der Visualisierungen auf Papier die Zeit ihrer Herstellung wieder abstrahiert. Das Füllen eines Blattes könnte Minuten oder Stunden dauern. Erst wenn sich eine Vielzahl beschriebener Blätter assemblieren, wird die Komplexität des Projektes und der melancholische Rückblick auf das Vergangene, der Verlust deutlich.


 

Luis Krummenacher, geboren am 28.04.1990 in Richterswil in der Schweiz, ist in Kassel aufgewachsen, erzogen worden, zur Schule gegangen und hat dort seinen Zivildienst gemacht. Dann ist er nach Potsdam gezogen und studiert dort jetzt Europäische Medienwissenschaft, inzwischen im Master. Er ließt gerne intellektuell anmutende Zeitschriften, hängt aber auch viel bei Facebook ab und hat viele Freunde. Er kann ein paar Akkorde auf der Gitarre, ist Schlagzeuger des International Central German Noise Ensemble und in einer Jazz-Combo, übt aber fast nie. Früher hatte er mal eine Band mit Freunden und hat Theater gespielt. Letztes Jahr hat er mit Freunden einen Kurzfilm namens Die Klangsammler verwirklicht und Regie geführt.
Seit vier Jahren schreibt er in unregelmäßigen Abständen — meist für sich, manchmal öffentlich — immer und immer wieder das Wort „leben“ auf seinen „Canson Skizzen XL Spiral-Block, 120 Blatt, 90g, 30 x 30 cm“. Inzwischen sind so über 80 leidlich dekorative, vollgeschriebene Blätter entstanden. Er nennt das ganze manchmal Lebenswerk, manchmal sperrig Das Projekt ‚leben‘, weil ihm das sprachlich gesehen genauer vorkommt.

Das Projekt bewegt sich im Spannungsfeld der Begriffe Schreiben, Biographie, Dokumentation, Spur, Zeit, Dauer, Moment, Meditation, Leben, Endlichkeit, Tod, Unsinn, Sinn, Bedeutung, Arbeit, Produktion, Stumpfsinn, Leere, Fülle, Entleerung, Flucht, Linearität, Wiederholung, Schriftlichkeit, Bildlichkeit, Performativität.