Timotheus Böhme


Gedichte


Dem Text als Kunstform wird zumeist seine Ausstellbarkeit abgesprochen. Stattdessen finden Texte in Kunstausstellungen lediglich als erklärende Begleiterscheinungen statt. Der Text kämpft mit der Hürde der Linearität, indem er eine Spanne vorgibt, die es zu bewältigen gilt, um ihn zu erfassen.
Das Potential der ausgestellten Gedichte liegt in der Direktheit, mit der ein abstrahierter Gedanke aufgegriffen und in sprachlich konkrete Formen versetzt wird. Sie thematisieren menschlich eingelernte Routinen, nihilistisch durchkreuzte Hoffnung und die Monochromie deutscher Provinzen, ohne das Ausmaß melancholischer Abgründe zu verwässern.
Die Gedichte als Exponate in die Ausstellung zu integrieren, löst sie aus dem gängigen Leseprozess heraus und enthebt sie ihrem vermeintlichen Richtungszwang. Sie gewinnen zugleich an räumlicher Qualität, die Haptik des geschriebenen Wortes erstärkt.